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Melatonin – das Schlafhormon

Frau liegt im Bett und nimmt Melatonin

Kurzfristig kann zusätzlich eingenommenes Melatonin gegen Schlafstörungen helfen.

Melatonin wird derzeit in den USA und in Kanada als „Wundermittel“ vermarktet. Lange galt Melatonin als reines „Schlafhormon„. Studien deuten aber darauf hin, dass Melatonin viele zusätzliche Wirkungen hat, die über den schlafanstoßenden Effekt hinausgehen.

Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein Botenstoff (Neurotransmitter) und Hormon, deshalb wird Melatonin auch als Neurohormon bezeichnet. Im Gehirn wird Melatonin bei Dunkelheit ausgeschüttet, weshalb der Volksmund auch von einem „Schlafhormon“ oder „Dunkelheitshormon“ spricht.

Studien zu Schlafstörungen durch Computer- und Handybildschirme haben das Interesse an diesem Hormon entfacht. Des Weiteren ist die Störung der Melatonin-Ausschüttung durch Nacht- und Schichtarbeit mittlerweile wissenschaftlich belegt. Außerdem sorgte eine mögliche Wirkung gegen Krebs für Schlagzeilen.

Bei jungen Menschen wird mehr Melatonin ausgeschüttet als bei älteren Menschen, was möglicherweise erklärt, warum Kinder länger, fester und tiefer schlafen als ältere Menschen, bei denen Schlafstörungen häufiger auftreten.

Welche Auswirkung hat Melatonin auf den Schlaf?

Melatonin wirkt schlaffördernd und verkürzt die Einschlafzeit. Zusätzlich hat es schlafmodulierende Effekte: Es verkürzt die Leichtschlafphase und verlängert beide Tiefschlafphasen und die REM-Schlaf-Phase. Durch das Ansteigen und Absinken des Melatoninspiegels entsteht unser Tag-Nacht-Rhythmus. Mit Anbruch der Dunkelheit wird vermehrt Melatonin ausgeschüttet. Die höchsten Melatoninspiegel werden jahreszeitabhängig zwischen Mitternacht und vier Uhr nachts erreicht. Danach wird die Ausschüttung des Hormons lichtabhängig wieder gedrosselt.

Kurzfristig kann zusätzlich eingenommenes Melatonin gegen Schlafstörungen helfen. Allerdings werden längerfristige positive Wirkungen kontrovers diskutiert und tendenziell verneint.

Was bremst die Ausschüttung von Melatonin?

Die Ausschüttung von Melatonin wird durch Licht gebremst. Dies scheint auch der Fall zu sein, wenn es sich um das Licht eines Computer- oder Handybildschirms handelt. Vor allem der Anteil an blauem Licht wird für die gebremste Ausschüttung von Melatonin verantwortlich gemacht. Außerdem soll der Genuss von Koffein, Alkohol und Tabak die Ausschüttung hemmen. Stress und ausgiebige körperliche Betätigung vor dem Schlafen scheinen ebenfalls die Melatonin-Ausschüttung zu reduzieren. Als mögliche hemmende Medikamente werden Betablocker, Cortison und ASS diskutiert.

Welche sonstigen Auswirkungen auf Melatonin auf den Körper?

  • Melatonin macht nicht nur schläfrig, sondern steigert durch die erzeugten Tiefschlafphasen (s. a. Schlafphasen) auch die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatropin, das für die regelrechte Entwicklung wichtig ist.
  • Zusätzlich senkt Melatonin die Körpertemperatur und soll den Menstruationszyklus der Frau beeinflussen.
  • Belegt sind mittlerweile auch entzündungshemmende Wirkungen auf das Immunsystem und die Rolle des Melatonins als Antioxidans ähnlich wie Vitamin C oder Vitamin E. Antioxidantien fangen schädliche Stoffe ab und machen sie so für den Körper unschädlich.
  • Ein Mangel an Melatonin soll nicht nur Schlafstörungen hervorrufen, sondern auch zu Gedächtnisproblemen führen.
  • Mögliche positive Effekte auf Krebserkrankungen sowie ein eventuell Krebs-vorbeugender Effekt sind Gegenstand aktueller Untersuchungen.
  • Melatonin ist im Magen-Darm-Trakt nicht nur reichlich verfügbar, sondern auch mit vielen Funktionen ausgestattet: Es soll die Regeneration und Reparatur der Magen- und Darmschleimhaut verbessern. Über diesen Mechanismus könnte Melatonin vor Magengeschwüren schützen.
  • Außerdem verbessert Melatonin die Durchblutung des Darms und scheint die Darmmuskulatur zu entspannen. Diskutiert wird deshalb eine mögliche positive Wirkung von Melatonin bei Reizdarm-Syndrom oder kindlichen Koliken.

Wie wird Melatonin gebildet und abgebaut?

Melatonin wird in der Epiphyse (auch: Zirbeldrüse, Glandula pinealis), einem Teil des Zwischenhirns, gebildet. Es entsteht aus der Aminosäure Tryptophan, das wiederum zu Serotonin umgebaut wird. Nach chemischer Veränderung entsteht aus dem Serotonin das Melatonin. Außerdem wird Melatonin tagsüber im Magen-Darm-Trakt gebildet und soll dort in Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet werden. Der Abbau findet zu 90 Prozent in der Leber statt und die Abbauprodukte werden über den Urin ausgeschieden.

In welchen Lebensmitteln steckt viel Melatonin?

  • Insbesondere Pflanzen enthalten Melatonin. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Pistazien und Cranberrys. Pilze wie Pfifferling, Champignon und Steinpilz sowie Getreide und Keimlinge (Linsen- und Kidneybohnenkeimlinge) enthalten ebenfalls Melatonin. Geringe Anteile lassen sich auch in Senfsamen, Tomaten, Paprika und in Wein finden.
  • Tierische Produkte enthalten wesentlich weniger Melatonin. Eine geringe Konzentration ist in Lachs, Ei und Kuhmilch enthalten.

Die Aufnahme von Melatonin mit der Nahrung soll sich positiv auf den Schlaf auswirken.

Gibt es käuflich erwerbbare Melatonin-Präparate?

Das Medikament „Circadin“ enthält Melatonin und kann für die kurzzeitige Behandlung von Schlafstörungen bei Menschen, die mindestens 55 Jahre alt sind und bei denen keine anderen Ursachen für die Schlafstörung vorliegen, eingesetzt werden. „Circadin“ ist verschreibungspflichtig. Die mit dem Melatonin verwandte Substanz Agomelatin kann bei Depressionen, auch bei der „Winterdepression“ eingesetzt werden.

Frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel können Melatonin enthalten. Präparate sind vor allem in den USA und in Kanada verbreitet. Dort werden sie zur Vermeidung von Migräne, Haarausfall, Krebs und Herzkreislauferkrankungen wie Arteriosklerose (Verkalkung der Blutgefäße), Schlaganfall und Herzinfarkt eingenommen. Außerdem wird Melatonin als Anti-Aging-Mittel beworben. Diese vielfach beworbenen Wirkungen sind derzeit aber nicht eindeutig durch Studien belegbar und zurückhaltend zu beurteilen.

Aktuelle Studien untersuchen die Wirkung von Melatonin auf Krebserkrankungen und geben Hinweise auf eine Verringerung der Sterberate.

Quellen:

MIAMED Amboss: Bibliothek für Ärzte und Medizinstudenten. Stichworte: „Antidepressiva“, „Verhütung und Früherkennung beruflich bedingter Schäden“, „Zwischenhirn“; zuletzt aufgerufen am 23.03.2018

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Melatonin; zuletzt aufgerufen am 23.03.2018

http://flexikon.doccheck.com/de/Melatonin; zuletzt aufgerufen am 23.03.2018

https://link.springer.com/article/10.1023/A:1020107915919; zuletzt aufgerufen am 23.03.2018

https://febs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1742-4658.2006.05322.x; zuletzt aufgerufen am 23.03.2018

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